Arbeitsmedizinische Vorsorge bei beruflichen Auslandsreisen 

 

Die Arbeitsmedizinische Vorsorgeverordnung (ArbMedVV) schreibt gemäß §4 und Teil 4 des Anhangs arbeitsmedizinische Pflichtvorsorge bei beruflichen Reisen von Arbeitnehmern in Länder der Tropen, der Subtropen und bei sonstigen Auslandsaufenthalten mit besonderen klimatischen Belastungen und Infektionsgefährdungen vor.

Der Arbeitgeber hat nach Maßgabe des Anhangs die Pflichtvorsorge für die Beschäftigten zu veranlassen. Diese muss vor Aufnahme der Tätigkeit und anschließend in regelmäßigen Abständen wiederholt werden. Der Arbeitgeber darf eine Tätigkeit nur ausüben lassen, wenn der/ die Beschäftigte an der Pflichtvorsorge teilgenommen hat.

 

Nähere Ausführungen werden in der ArbMedVV nicht gemacht. Die AMR 6.6 gibt einige Hinweise zu Impfungen. Im alten arbeitsmedizinischen Grundsatz 35 (G35) der Berufsgenossenschaften wird hierzu ausgeführt, dass die Beratung vor dem Auslandsaufenthalt durch einen Arzt/ Ärztin mit besonderen Fachkenntnissen über die besonderen klimatischen und gesundheitlichen Belastungen und über die ärztliche Versorgung am vorgesehenen Tätigkeitsort erfolgen muss. Die Berufsgenossenschaften haben hierzu Handlungsanleitungen erlassen. Einheitliche Vorgaben, für welche Länder eine arbeitsmedizinische Pflichtvorsorge gemäß ArbMedVV ansteht und ggf. welche Beratungs- und Untersuchungsangebote erforderlich sind, gibt es jedoch nicht. Einige Ausführungsempfehlungen befinden sich in der DGUV Information 240-350.

 

Experten der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V. (DGAUM), der Deutschen Fachgesellschaft für Reisemedizin e.V. (DFR), des Instituts für Arbeitsmedizin der Universität Mainz und von International SOS haben auf Grund eigener Erfahrungen und Analysen eine Länderliste erarbeitet, die beschreibt, in welchen Ländern arbeitsmedizinische Vorsorge sinnvoll erscheint. Weiterhin wird der Beratungsumfang, ggf. welche Unterweisungs-/ Belehrungsinhalte und welcher Untersuchungsumfang unter Betrachtung des spezifischen Risikos sinnvoll ist, aufgezeigt.  Die Länderlisten werden regelmäßig aktualisiert und können eine Richtschnur für die arbeitsmedizinische Vorsorge darstellen.
 

Hierbei werden drei Gefährdungsgruppen unterschieden:

  • Gruppe 1 beinhaltet Länder, in denen Personen, die auch in Deutschland in vergleichbarer Tätigkeit arbeiten, eingesetzt werden können. Eine arbeitsmedizinische Pflichtvorsorge gemäß ArbMedVV ist in der Regel nicht erforderlich, kann aber nach aktueller Risikobewertung (Vorerkrankungen, entlegenes Einsatzgebiet etc.) ggf. erforderlich werden.
  • Gruppe 2 beinhaltet Länder in denen auf Grund der klimatischen oder hygienischen Besonderheiten eine arbeitsmedizinische Pflichtvorsorge nach ArbMedVV vorgeschrieben ist. In der Regel sind keine Impfungen zwingend für die Einreise in das Land notwendig oder werden nur saisonal gefordert (aktuelle Risikobewertung erforderlich).
  • Gruppe 3 beinhaltet Länder in denen auf Grund der klimatischen oder hygienischen Besonderheiten eine arbeitsmedizinische Pflichtvorsorge nach ArbMedVV vorgeschrieben ist. Impfungen oder Prophylaxemaßnahmen insbesondere eine Gelbfieberimpfung sind ggf. zwingend für die Einreise in das Land vorgeschrieben oder dringend empfohlen.

Länderliste

Die Liste gibt die Gefährdungsgruppe zu jedem Land an verbunden mit dem Hinweis, ob arbeitsmedizinische Pflichtvorsorge ansteht oder arbeitsmedizinische Vorsorge zumindest sinnvoll ist. Weiterhin enthalten sind Angaben zur Malariaprophylaxe und zur Gelbfieberimpfung.

 

Grundlage der arbeitsmedizinischen Vorsorge bleibt die Gefährdungsbeurteilung, die den Einsatzort, die Art der Tätigkeit und den Gesundheitszustand der Reisenden oder des Reisenden umfasst.

 

Die Liste wird in Absprache mit arbeits-, reise- und tropenmedizinischen Experten regelmäßig aktualisiert.

 

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Fachliteratur 


Reisemedizin und Impfen 

Erschienen bei ecomed Medizin

Erscheinungsdatum: 14.03.2018

 

Autoren:

  • Prof. Dr. med. Volker Harth
  • Prof. Dr. Dirk-Matthias Rose
  • Prof. Dr. med. Stephan Letzel
  • Prof. Dr. med. Dennis Nowak

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